SGV Naturschutz-Exkursion Arnsberger Wald

Querfeldein durch den Arnsberger Wald / geführte Entdeckungstour

Moore, Feuchtgebiete, stille Teiche, geheimnisvolle Meilerplatten, besondere Pflanzenarten & Bäume – der Arnsberger Wald hält viele Schätze verborgen, die sich erst erschließen, wenn man genauer hinschaut. Im Rahmen einer Fortbildung der SGV Wanderakademie NRW machten sich die SGV Naturschutzwarte und Naturinteressierte auf eine besondere Entdeckungstour: eine Querfeldein-Wanderung am Plackweg. Abseits der gewohnten Wanderwege führte die Exkursion mitten hinein in die Lebensräume und Landschaftsformen des Arnsberger Waldes.

Als fachkundige Begleiter und Dozenten waren Olaf Ikenmeyer von Wald und Holz NRW und Hans-Joachim Berger Planungsbüro Freiraumgestaltung dabei. Mit ihrem umfangreichen Wissen über Waldökologie, Pflanzen und Landschaftsgeschichte öffneten sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Blick für die vielen kleinen Besonderheiten am Wegesrand.

Moore / Feuchtgebiete– wertvolle Lebensräume im Wald

Ein Schwerpunkt der Fortbildung waren die Moore und Feuchtlebensräume des Arnsberger Waldes. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, ist ökologisch von großer Bedeutung. Moore sind besondere Lebensräume für spezialisierte Pflanzen und Tiere und können große Mengen Kohlenstoff speichern.

Auch verschiedene Moosarten (Torfmoose) konnten während der Wanderung entdeckt werden. Gerade Moose sind faszinierende kleine Überlebenskünstler: Sie benötigen keine tiefreichenden Wurzeln und können Wasser speichern. Ihre genaue Betrachtung verrät viel über die jeweiligen Standortbedingungen.

Ein weiterer Aspekt war das Schwammwald-Projekt – Schwammwald beschreibt die Fähigkeit. Wasser aufzunehmen, zu speichern und verzögert wieder abzugeben. In diesen Zeiten gewinnt diese Funktion an großer Bedeutung.

Die Moorbirke – Spezialistin für feuchte Standorte

Besondere Aufmerksamkeit galt auch der Moorbirke. Sie ist an feuchte und nährstoffarme Standorte angepasst und unterscheidet sich in ihren Merkmalen von anderen Birkenarten.

Die Begegnung mit der Moorbirke machte deutlich, wie eng Pflanzen und ihre Lebensräume miteinander verbunden sind: Wo bestimmte Standortbedingungen herrschen, finden sich oft auch ganz bestimmte Pflanzenarten.

Wenn Gras sich selbst „gebiert“

Eine weitere botanische Besonderheit sorgte für Staunen: das sogenannte „selbstgebärende Gras“. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der vegetativen Vermehrung. An den Blütenständen können sich kleine Pflänzchen entwickeln, die schließlich zu eigenständigen Pflanzen werden.

Solche außergewöhnlichen Anpassungen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die Strategien der Natur sind, sich fortzupflanzen und an unterschiedliche Lebensbedingungen anzupassen.

Meilerplatten erzählen Waldgeschichte

Die Exkursion führte nicht nur in die Natur, sondern auch in die Geschichte des Waldes.

Auf sogenannten Meilerplatten wurde früher Holzkohle hergestellt. Dafür wurde Holz zu einem Kohlenmeiler aufgeschichtet und unter kontrollierter Sauerstoffzufuhr verkohlt. Die dabei gewonnene Holzkohle war über Jahrhunderte ein wichtiger Energieträger und wurde unter anderem für die Eisenverhüttung benötigt.

Heute sind solche Plätze oft nur noch als unscheinbare Flächen im Wald erkennbar. Wer jedoch ihre Geschichte kennt, entdeckt plötzlich Spuren vergangener Zeiten mitten im heutigen Wald.

Wald ist Lebensraum, Wasserspeicher, Kohlenstoffspeicher, Wirtschaftsgut, Geschichtszeugnis und Rückzugsort zugleich.

Gerade für die SGV-Naturschutzwarte ist dieses Wissen besonders wertvoll. Wer andere Menschen für Natur und Landschaft begeistern und gleichzeitig für ihren Schutz sensibilisieren möchte, muss die Besonderheiten eines Lebensraumes selbst kennen und verstehen.

Die gelungene Fortbildung vermittelte deshalb nicht nur botanisches und forstliches Wissen. Sie schärfte vor allem den Blick für das, was sich häufig erst auf den zweiten Blick zeigt: kleine Pflanzen, feuchte Senken, Moospolster, historische Spuren und empfindliche Lebensräume.

Am Ende der Tour blieb mir ebenfalls diese Erkenntnis:

Man muss nicht weit reisen, um außergewöhnliche Natur zu erleben. Manchmal reicht es, sich in benachbarte Gebiete zu begeben – und genauer hinzuschauen. Man muss anfangen die Landschaft zu lesen, den Blick für die kleinen Wunder zu schärfen.

Die Fortbildung der SGV Wanderakademie NRW hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, diese Besonderheiten zu kennen. Denn nur was wir wahrnehmen und verstehen, können wir auch wertschätzen und schützen.

 

Jutta Vorderwülbecke

Naturschutzwartin Bezirk Oberruhr / Zertifizierte DWV-Wanderführerin


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