Raus in die Natur. Rein ins Erlebnis.

Resolution „Flüchtlinge willkommen“ des Deutschen Wanderverbandes

J. Kuhr / Deutscher Wanderverband

Beschluss der Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. am 24. Juni 2016 in Sebnitz

Selbst wenn es gelingen sollte, die Fluchtursachen zu beheben, werden die Aufgaben, die sich durch die in die Bundesrepublik Deutschland kommenden Schutzsuchenden stellen, nicht in kurzer Zeit erledigt sein. Viele vor Krieg und Vertreibung zu uns geflohene Menschen werden bleiben. Das stellt uns vor die große Herausforderung, Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Religionen und mit einem anderen Verständnis von Gesellschaft bei uns zu integrieren.

Der Deutsche Wanderverband (DWV) versteht Integration ausdrücklich auch als Anerkennung des Rechts und der Grundwerte unseres Landes, sowie als Anerkennung unseres Verständnisses von einer offenen Gesellschaft, der Religionsfreiheit, der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und der Gleichheit der Menschen untereinander. Alle in unserem Land lebenden Menschen müssen sich überall sicher fühlen können.

Bei der Schaffung guter Integrationsperspektiven und Aufnahmestrukturen für Flüchtlinge ist ehrenamtliches Engagement unabdingbar. Ohne Ehrenamt lassen sich die anstehenden Integrationsaufgaben nicht bewältigen.

Die Wanderbewegung tritt seit ihrer Gründung vor über 130 Jahren für gegenseitige Achtung und Respekt ein und hat sich der Förderung der Begegnungen zwischen Deutschen und Ausländern verschrieben. Viele der im Wanderverband organisierten Menschen oder deren Eltern haben nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtlinge etwa aus Schlesien oder Ostpreußen ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Menschen, die heute aus Syrien oder Afghanistan nach Deutschland kommen. Damals haben nicht zuletzt die im DWV zusammengefassten Vereine dazu beigetragen, die neuen Bürger in die Heimat zu integrieren. Traditionell engagieren sich viele Vereine über ihre Kultur- und Heimatarbeit für Völkerverständigung. Bis heute gibt es zum Beispiel einen regen Austausch von Volkstanzgruppen aus dem In- und Ausland, der das gegenseitige Kennenlernen unterstützt.

Der Deutsche Wanderverband tritt dafür ein, die nach Deutschland geflohenen Menschen nicht alleine zu lassen. Er verurteilt alle Anschläge auf Flüchtlinge und ihre Helfer und heißt die neuen Mitmenschen ausdrücklich willkommen. Er sieht sie nicht als etwas Bedrohliches, sondern als Bereicherung, als Nachbarn, als Freunde, als Mitmenschen. Der Wanderverband steht für Weltoffenheit und Gastfreundschaft.

Für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland engagieren sich zahllose ehrenamtlich Tätige. Auch die im DWV organisierten Ehrenamtlichen sind hier aktiv. Sie veranstalten Kennlern-Aktionen, übernehmen Patenschaften mit einzelnen Flüchtlingen, setzen sie in Naturschutzprojekten ein oder organisieren Wanderungen mit den neuen Mitbürgern. So entstehen Alltagsräume, in denen über Sorgen und Ängste einerseits und über Recht und Werte andererseits geredet wird. Das erleichtert Integration, ebenso wie eine positive Willkommenskultur und angstfreie Erfahrungsräume. Die können darin bestehen, die neue Heimat während einer Stadtwanderung nach dem Motto „Komm – ich zeig Dir meine Stadt“ kennenzulernen oder bei einer Vereinsveranstaltung mitzuwirken. Das sind zudem geeignete Instrumente, der Enge in den oftmals sehr beengten Wohnverhältnissen wenigstens für kurze Zeit zu entrinnen.

Gleiches gilt für gemeinsame Naturschutz-Projekte und Wanderungen in die Natur. Naturräume und Naturerfahrungen können ein Weg sein, um den ankommenden Menschen eine Möglichkeit der Neu-Verwurzelung zu geben. Natur kann Zufluchtsort sein und Trost spenden.

Der Deutsche Wanderverband fordert von Politik und Verwaltung, die Arbeit von ehrenamtlichen Helfern zu unterstützen, die Flüchtlingen bei der Integration helfen wollen. Dies ist Voraussetzung für die Schaffung guter Aufnahmestrukturen und Integrationsperspektiven für Flüchtlinge.

 Ehrenamtliche im Flüchtlingsbereich müssen stärker qualifiziert werden für die oftmals schwierige Arbeit mit Menschen aus fremden Kulturen. So sind interkulturelle Fortbildungen eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation mit Flüchtlingen. Entsprechende Angebote sind laut Experten essentiell, um Missverständnissen und Enttäuschungen auf beiden Seiten vorzubeugen. Diese Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche sind allerorten überbucht und verhindern die zeitnahe Qualifizierung der Unterstützung. Deswegen erwartet der DWV die verstärkte Schaffung solcher Fortbildungsmöglichkeiten.

 Bei der ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen ist die hauptamtliche Koordination der Angebote unabdingbar. Ehrenamtliches Engagement muss mit dem Ausbau entsprechender hauptamtlicher Strukturen einhergehen. Der DWV erwartet deswegen die verstärkte Einrichtung von Koordinierungsstellen.

 Ehrenamtliches Engagement im Flüchtlingsbereich setzt voraus, dass entsprechende Angebote in den jeweils relevanten Sprachen etwa in den Flüchtlingswohnheimen bekannt gemacht werden. Diese Werbemaßnahmen sind mit teils erheblichen Kosten verbunden. Dies gilt auch für den Transport der Flüchtlinge etwa zu Ausgangs- oder von Endpunkten von Wanderungen. Die Kosten übersteigen in der Regel das Budget von Flüchtlingen. Deswegen erwartet der DWV unkomplizierte Finanzierungen von Sachkosten für Vereine, die die Integration von Flüchtlingen unterstützen.

 Viele Flüchtlinge sind bei ihrer Ankunft physisch und psychisch stark belastet. Ihnen können die DWV-Gesundheitswanderungen helfen, sich zu stabilisieren. Der DWV erwartet deswegen eine finanzielle Unterstützung entsprechender Angebote von Gesundheitswanderführern.

 Vielerorts führt die Missachtung der Flüchtlingsarbeit von Ehrenamtlichen zu deren Demotivation. Deswegen erwartet der DWV eine stärkere Würdigung der Arbeit von Ehrenamtlichen durch Politik und Verwaltungen.