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Kyrill hat auch den SGV getroffen - Optimismus ist angesagt

In den vergangenen 62 Jahren hat es durchaus ab und an mal etwas heftiger gestürmt. Diverse Dächer wurden von Unwettern abgedeckt, der eine oder andere Baum entwurzelt. Manchmal hat der Sturm ganze Schneisen in Wälder geschlagen. Das Wetter hat also auch in den vergangenen Jahrzehnten Kapriolen geschlagen, doch so etwas Verheerendes hat es bislang nicht gegeben. Seit 62 Jahren ist Joachim Meinhard SGV-Mitglied; in dieser Zeit hat natürlich immer mal wieder ein entwurzelter Baum den Wanderweg blockiert; auch mit Wegezeichen markierte Bäume mögen der Wucht der Natur zum Opfer gefallen sein. Doch weiß der Hauptfachreferent für Wege im SGV am Tag vier nach Kyrill mit absoluter Sicherheit: "Etwas so dramatisches gab es noch nie!"

Den SGV hat der Orkan vom 18. Januar 2007 nicht nur buchstäblich - beispielsweise durch das Entwurzeln von Bäumen auf dem Gelände des Jugendhofes in Arnsberg -, sondern vor allem im übertragenen Sinne erschüttert. Der zentrale Inhalt der Abteilungsarbeit, die Organisation von Wanderungen vor Ort, wurde innerhalb weniger Stunden durch die zerstörerische Gewalt der Natur für unbestimmte Zeit aus den Jahresprogrammen gestrichen. Allein im Sauerland fällte Kyrill 25 Millionen Bäume - es ist wohl mehr als eine vage Vermutung, davon auszugehen, dass ein guter Teil des Wegenetzes unter umgestürzten Bäumen begraben sein wird, dass ein großer Teil der Wege auch deshalb nicht mehr wanderbar sein wird, da die mit Wegezeichen markierten Bäume einfach umgeblasen wurden. Genaues weiß man freilich nicht: Zu gefährlich ist es, in den Tagen nach dem großen Sturm die Wälder zu betreten, um eine Bestandsaufnahme zu machen. So verordnete das Forstamt Arnsberg am 19. Januar ein Waldbetretungsverbot. "Beim Betreten des Waldes droht Gefahr für Leib und Leben", heißt es da unmissverständlich. Keine Frage, dass der SGV diese Botschaft eindringlich unterstützt und die Abteilungen vor Ort deutlich dazu auffordert, dieser Anordnung unbedingt Folge zu leisten. Benno Wolfgang Ecker, Hauptgeschäftsführer des SGV, begreift die Katastrophe jedoch auch als Herausforderung: "Das Gebäude SGV wird von verschiedenen Säulen getragen. Jede Abteilung hat nun die Chance, auf diese Krise kreativ zu reagieren. Kyrill hat uns vor Probleme gestellt, doch das Gebäude stürzt nicht dadurch ein, dass eine Säule angeknackst ist."

Genau diesen phantasievollen Umgang mit der Katastrophe propagiert auch Knut van Gemmeren in seiner Funktion als Vorsitzender der SGV-Abteilung Siegen. Auch er schätzt die Situation als "relativ problematisch" ein und hat als erste Reaktion auf Kyrill das öffentlich ausgehängte Wanderprogramm aus dem SGV-Schaukasten am Bahnhof entfernt. "Das soll aber nicht heißen, dass wir jetzt die Arbeit einstellen." Die Wanderführer bittet Knut van Gemmeren, Alternativvorschläge für die geplanten Wanderungen zu erarbeiten. Van Gemmeren selbst trägt dem Waldbetretungsverbot beispielsweise Rechnung, indem er mit seiner Wandergruppe ins Bergbaumuseum nach Bochum fährt. Natürlich sei das mit Aufwand verbunden, räumt er ein. Er muss sich ja zunächst selbst eingehend informieren, um seiner Funktion als Wanderführer gerecht werden zu können. Die zusätzlichen Mühen scheut er jedoch keineswegs: "Dazu bin ich viel zu sehr SGVer."

Nicht nur kurzfristig stellt der Orkan den SGV und dessen Improvisationsfähigkeit auf die Probe. Alternativlösungen für kurzfristig abgesagte Wanderungen zu finden, ist das eine. Das Wegenetz wieder auf den bekannt hochwertigen Standard zu bringen, das andere. Zusammen mit den Bäumen hat Kyrill auch die Wegemarkierungen, also des Wanderers Orientierungshilfen in der Natur, einfach weggeblasen. Mit welchen Mitteln und von wem der alte Markierungsstandard wieder hergestellt werden soll, steht kurz nach Kyrill noch in den Sternen. Außerdem gibt Joachim Meinhard zu bedenken: "Es werden Jahre vergehen, bis da überhaupt wieder etwas steht, dass wir markieren können."

Der durch und durch optimistische Knut van Gemmeren sieht aber auch hier das Positive. Er betrachtet den Kahlschlag zunächst einmal als das, was er ist: "eine Situation, ausgelöst durch höhere Naturgewalt, mit der wir nun umgehen müssen". Und so freut er sich schon auf den Tag, an dem die alt bekannten Wanderwege wieder begangen werden können. Denn hier wird einem nichts alt bekannt vorkommen. "Das ist doch ganz toll. Jede Wanderung wird neu aussehen. Das wird ein ganz neues Wandererlebnis werden."

Text: Daniel Nölleke