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Vom Tochter-/Mutter-Idol zur Vaterfigur: Patrick Bach
"Eine gewisse Basis an Grund-Beklopptheit bringe ich schon mit!"
Text: Thomas Reunert
Fotos: IKZ
Das war schon eine kleine Überraschung: Als der Moderator im Iserlohner Parktheater das Publikum fragt, ob sie denn wirklich wüssten, wer dieser Patrick Bach, der gleich komme, sei, schallt es gleichermaßen einstimmig wie entrüstet durch die ehrwürdige Galerie: „Natürlich der Silas!" Geneigte Leser, die ebenso reagiert hätten, mögen verzeihen, dass an dieser Stelle aber trotzdem eine kleine Silas-Erklärung erfolgt. „Silas" war im Jahre 1981 die dritte so genannte Weihnachtsserie des ZDF nach einem Roman von Cecil Boedker. Das Besondere an diesen mehrteiligen Serien war, dass sie für die damalige Zeit Kultcharakter hatten und sich durchaus das Prädikat „Straßenfeger" verdienten. Und so eben auch „Silas", die Geschichte von dem Jungen, der als Kleinkind an einen Wanderzirkus verkauft wurde, dem später die Flucht gelang und der mit seiner keck-forschen Art jede Menge Abenteuer zu bestehen hatte.
Genau für jene Silas-Rolle war Patrick Bach auserkoren worden. „Eher durch Zufall", wie er sich im Kreuz & Quer-Gespräch erinnert. Seine Mutter sei in der damaligen Zeit Regieassistentin in Hamburg gewesen und hätte an einem Abend die Silas-Produzenten mit nach Hause gebracht. Eigentlich habe man sich im Hause Bach ein Fußballspiel ansehen wollen, doch die Fernsehleute hätten am Ende nur Augen für den Jungen gehabt. „Ich glaube, ich habe das Spiel irgendwie auf meine Art kommentiert", sagt Patrick Back, und wer ihn jetzt mit inzwischen 42 Jahren erlebt, kann sich gut vorstellen, was die Männer im Wohnzimmer so fasziniert hat. Patrick Bach redet ohne Punkt und Komma, ist bei jedem Thema blitzschnell auf Ball- und Augenhöhe, scheint die Sprungkraft einer gedopten Antilope zu haben und mehr Hummeln im Hintern, als ein Imker Bienen im Korb.
Erst habe seine Mutter ja noch gezögert, dann dem 13Jährige aber doch auf Drängen der Produzenten die Einwilligung gegeben, sagt Patrick Bach und antwortet auf die Frage, ob er denn damals schon eigentlich das Rüstzeug zu einem Schauspieler gehabt habe, ziemlich kernig: „Also eine Basis an Grund-Beklopptheit habe ich immer schon gehabt." Aber ein Leben als Feuerwehrmann oder Rennfahrer habe er sich zu diesem Zeitpunkt allerdings auch gut vorstellen können.
Und wie ist er mit dem plötzlichen Star-Rummel um seine noch recht kindliche Peron klar gekommen? „Irgendwie habe ich das gar nicht sonderlich zur Kenntnis genommen. Ich wollte lieber draußen mit meinen Freunden spielen." Eher gelassen habe er deshalb auch darauf reagiert, als die „BRAVO" die komplette Adresse der Familie als Fananschrift gedruckt hätten. „Da kam dann jeden Tag ein Sack mit rund 2000 Briefen. Bis der Postbote gesagt hat, er sei das endgültig leid und wir sollten uns den Sack gefälligst selbst bei der Post abholen." Ob es ihn wenigstens etwas mehr aufgewühlt hat, dass er 1982 sogar einen Bambi für Silas verliehen bekam, lässt sich wohl heute auch nicht mehr abschließend feststellen. So richtig scheint es Patrick Bach nicht auf das Fremdgetöse abgesehen zu haben.
Wechseln wir also lieber wieder in die heutige Zeit. In Hamburg ist Patrick Bach aufgewachsen, in Hamburg wohnt der zweifache Vater auch heute noch. „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, von hier wegzugehen", sagt er und fügt hinzu, „dass er inzwischen ohnehin am liebsten Zuhause sei." Beruflich habe er ja viel von der Welt gesehen, habe für „Klinik unter Palmen" oder für das ZDF-Traumschiff an Orten gedreht, an denen andere Menschen vielleicht gerade mal Urlaub machen würden „Das brauche ich also nicht mehr", gibt er sich überraschend abgeklärt und grundsolide: „Meine Familie ist mir jetzt wichtiger." Dabei lässt er einen kleinen Einblick zu, wie es bei Bachs zugeht, wenn der Papa mit von der elterlichen Partie ist. Da seine Kinder offenbar in Teilen seine Wimmel-Gene haben, scheint ordentlich Stimmung in der Bude zu sein. „Ich könnte mich immer amüsieren, wenn Eltern sagen, sie hätten ein lebhaftes Kind. Dann sage ich, ob sie da vorn den Jungen meinten, der gerade mit Lego spiele. Und dann sage ich noch, sie sollten mal zu uns kommen und sich unsere eher ‚italienischen Verhältnisse' betrachten."
Reden wir über Sport. Sofort kommt eine lange Liste: Fußball, Tennis, Squash, Badminton, Skifahren und Tauchen. „Für Silas habe ich damals sogar auch das Reiten gelernt." Alles macht er irgendwie aus Spass, einen wirklich harten Kampf um den Erhalt seiner Kraft und Figur habe er nicht führen müsse. „Ich bin ja eigentlich ein wirklicher Genussmensch, doch auch gleichzeitig mit einer guten Verbrennung gesegnet. Aber Disziplin muss eben doch sein, auch wenn das Kasteien mit zunehmenden Jahren immer schwerer fällt."
Nach unserem Gespräch muss Patrick Bach in die Theater-Garderobe. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er mit einem Boulevard-Stück an der Seite von Herbert Herrmann und Nora von Collande unterwegs. Erst habe er ja gezögert, weil das völliges Neuland gewesen sei, und er mit so einer Komödie auch anfangs nicht viel hätte anfangen können. „Obwohl es eigentlich nicht schwer ist, mich zum Lachen zu bringen." Aber inzwischen hat er richtig Spaß an der neuen Aufgabe gefunden. Zumal das Publikum ihn ja auch mit offenen Armen aufnimmt. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, dem Traum seiner schlaflosen Jugend-Nächte noch mal so nah zu kommen.
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