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Kleine Einblicke in einen menschlichen Vulkan: Ron Williams

"Ich gehe gern und oft auf eine Reise zu meiner inneren Mitte"

Text: Thomas Reunert
Fotos: IKZ

 

 

Wer sich mit Ron Williams über ein bestimmtes Thema unterhalten möchte, das Ron Williams auch noch Spaß macht, sollte sich warm anziehen. Und viele Bleistifte und Papierblätter mitnehmen. Ron Williams hat dann nämlich viel zu erzählen. Und das auch noch unglaublich schnell und engagiert. Weil dieser Quirl-Mann eigentlich nur aus innerer und äußerer Energie zu bestehen scheint. Immer kurz vor dem Siedepunkt, vor der Eruption. Als dann, blicken wir also kurz in den Vesuv aus Fleisch und Blut.

 

Da dies ja eine SGV-Geschichte für unser „Kreuz & Quer" ist, kann die erste Frage natürlich nur lauten, wie es der wohl „unkaputtbare" Bühnen- und Fernsehstar denn so mit der körperlichen Fitness hält?

 

Allein diese Antwort – sauber aufgeschrieben und zitiert – würde bereits Heftseiten füllen. Versuchen wir eine vorsichtig verkürzte Annäherung. In seinem Alter würde man jetzt ja nicht mehr die ganz großen Sprünge machen, sagt er, aber Gymnastik bzw. die neu-deutschen „Push-ups" und die alt-deutschen „Liegestütze" gehörten schon mal jeden Tag zum Grundprogramm. Dabei nennt er Stückzahlen, die schwindeln lassen.

 

In seiner Münchner Wahl-Heimat („Ich wohne direkt an der Isar!") sei es natürlich klar, dass Fußmärsche und Fahrradfahrten ebenda zum Programm gehörten. Und natürlich auch die Freiluft-Aufenthalte im Englischen Garten. „Weißt Du", sagt er, „ich war ja eigentlich nie eine Sportskanone, als Amerikaner habe ich natürlich Baseball gespielt. Das war schon ganz gut. Aber ich habe mich auch immer irgendwie um meinen Körper gekümmert."

 

Für die innere Gesundheit macht Ron Williams eine besondere Form der Tiefen-Meditation. Hat vor vielen Jahren in London dafür schon einen ganz besonderen Lehrer gefunden, der selbst bei den Beatles bereits meditative Hand und Gedanken angelegt hat. In der Kürze ist die Sache schwer zu erklären. Es gehe eigentlich im Wesentlichen darum, die Energie der Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken. Man müsse versuchen, auf diese Art und Weise seine „innere Mitte zu finden". „Alter, und ich sage dir, das hilft wirklich, deine ganz persönliche Balance zu finden".

 

Plötzlich sind wir beim Fleischverzehr angelangt. Ron Williams ist nicht unbedingt einer, der sich offensichtlich leidenschaftlich im Verzicht übt, aber er sagt auch: „Wir haben ein deutliches Zuviel an Input von Fleisch. Das macht uns irgendwie fertig." Das passt jetzt zwar nicht dazu, dass er im Moment dann doch eher versucht, auf Kohlehydrate zu verzichten, aber dahinter steckt ja eben auch nicht nur der unbedingte Wunsch, dem Körper ausschließlich kurzfristig etwas vordergründig Gutes zu tun.

 

Bei Ron Williams hat alles immer noch wenigstens eine zweite bzw. gern auch dritte Dimension. Er hat sich Zeit seines Lebens eingemischt. In eine „gefühlte Welt von Ungerechtigkeiten und Falschheiten". In eine Welt, die seiner Meinung nach auf so vielen Bahnen auf der falschen Spur war und ist. Nach der Meinung eines Mannes, der als GI in den sechziger Jahren nach Deutschland kam. Ein Land, das ihn nach eigenen Angaben interessierte, weil er dessen Geschichte als durchaus strebsamer Schüler durchforstet hatte. Aber schon in seiner Schulzeit galt er als „Einmischer", als „Ronny, der Anwalt".

 

Diese ganz besondere Form der „Einmischung" hat Ron Williams 2004 sogar das Bundesverdienstkreuz eingebracht. Weil er sich nicht damit abfinden konnte und es auch bis heute nicht will, dass Menschen – vor allem junge Menschen – in einem Land zusammen leben und sich aus Unwissenheit, Dummheit, Verblendetheit und warum auch immer nicht achten und sogar bekämpfen. Vielleicht hat es ja auch etwas damit zu tun, dass er seine eigene Jugend meistens in Kinderheimen verbrachte. „Dort lernst du auf jeden Fall zu kämpfen." Aber er hat in der Jugend auch Liebe erfahren. Zumindest von seiner „Mom", die eigentlich seine Oma war.

 

Die hat ihm auch als erste gratuliert, als er ihr sagte, er würde die Rolle des Martin Luther King spielen. In „I have a dream". King war nämlich auch so ein „Einmischer". Wie natürlich auch der Südafrikaner Nelson Mandela, dem Ron Williams ein gefeiertes Bühnen-Gesicht und eine umjubelte Theater-Stimme gab. Oder in diesen Tagen – vielleicht etwas unpolitischer – die Musik-Legende Ray Charles. Bei seinem Erfolg hilft Williams wahrscheinlich auch immer wieder sein Lebensmotto: „Du musst die Herzen und Hirne der Menschen erobern." Immer wieder gegen den Stumpfsinn und die Herzlosigkeit anrennen. Und das kann er. Denn er hat nicht nur ein dunkles, sondern auch ein dickes Fell.

 

Reden wir aber trotzdem noch einmal über das Alter des Mannes. Natürlich würde man das heute ja am Rechner irgendwie rausbekommen. Und doch macht es mehr Spaß, den Ausführungen des Ron Williams dazu zu lauschen. Er sei ja schließlich, gibt er zu Protokoll, in den Filmen der feinen, kleinen Meerjungfrau „Arielle" die deutsche Stimme der befreundeten Krabbe „Sebastian". Und Sebastian und er stünden nun mal in Diensten der Walt-Disney-Produktion. Dort sei man an höchster Stelle zu der Erkenntnis gekommen, dass Krabben keine Geburtsurkunden besitzen.