Erlebnis SGV

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Wanderwege

Seit dem 6. Juni 2009 ist Lothar Wolf im SGV der Hauptfachreferent für Wege und hat damit das Amt der SGV-Institution Joachim Meinhard übernommen. Seitdem, so Lothar Wolf selbst, versuche er täglich, in die großen Schuhe des Vorgängers hinein zu wachsen. Im Gespräch mit der Kreuz&Quer spricht Lothar Wolf über anstehende Aufgaben, eine neue Wanderkultur in der Gesellschaft sowie den Reiz des Wegemarkierens.

 

Kreuz&Quer: Das gigantische Wegenetz des SGV zu betreuen, ist eine ebenso gigantische Aufgabe. Mit welcher Motivation sind Sie diese Funktion angetreten?

 

Lothar Wolf: Mich reizt die Herausforderung. Mir war schon immer klar, dass ich mich nach meiner Pensionierung intensiv um das SGV-Wegenetz kümmern möchte. Allerdings hatte ich mir ursprünglich vorgestellt, bei schönem Wetter mit Pinsel und Farbe in den Wald zu gehen, um Wege zu markieren. Nun sehe ich mich eher in einer Management-Funktion – doch auch die hat einen enormen Reiz. Und da ich ein gutes Team in meinem Rücken weiß, werden wir diese Aufgabe gemeinsam bewältigen.

Wie sehen Sie den Stellenwert der Wegearbeit im Profil des SGV?

 

Der ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ohne Wege, ohne Wegezeichen, gäbe es kein Wandern. Das Wegenetz ist die Visitenkarte des SGV.

 

Und wie steht es nach Ihren Eindrücken um die Beschaffenheit dieser Visitenkarte?

 

Das Wegenetz ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Allerdings sollte man differenzieren: Der regelmäßige Wanderer, der Profi, findet sich zurecht. Doch auch der Kurzentschlossene soll seinen Weg durch die Natur finden können – und das auch ohne Karte. Es ist wie bei der Verkehrsführung; Ortsfremde benötigen eine gute Beschilderung, Ortskundige finden den Weg blind. Wir müssen unsere Wege auch für Ortsfremde zu einem unbeschwerten Erlebnis machen.

 

Sie sehen also offensichtlich Arbeitsbedarf. Welches sind die drängendsten Aufgaben in der SGV-Wegearbeit?

 

An konkreten Aufgaben besteht kein Mangel; das kann ich versichern. Der gesamte Wanderbereich ist im Umbruch und hierauf müssen auch wir als SGV reagieren. Insgesamt gilt es, Gutes zu bewahren und gleichzeitig Veraltetes zu modernisieren. Aktuell beschäftigen uns zwei große Projekte: die Jahrhundertaufgabe der Wegedigitalisierung sowie die Inventur unserer Hauptwanderwege (siehe Beitrag unten links). Neben diesen Projekten darf man aber auch unser Tagesgeschäft nicht unberücksichtigt lassen: Unsere Hauptaufgabe besteht im Zeichnen der Wege. Und gerade dies bereitet mir aufgrund des akuten Mangels an Wegezeichnern große Sorgen.

 

Noch einmal zur Digitalisierung der Wanderwege. Weshalb hat dieses Projekt einen derart prominenten Status?

 

Das hat verschiedene Facetten. Zum einen können wir mit der digitalen Bestandsaufnahme komfortabel Wanderkarten erstellen. Zum anderen verspreche ich mir vom Wandern anhand von digitalen Daten ein großes Aktivierungspotenzial bei jungen Leuten. Die können sich Touren auf ihr GPS-Gerät herunterladen und spontan in die Natur starten. Oder sie können beim Geocaching mithilfe digital verfügbarer Routen auf Schatzsuche gehen.

 

Als weiteres aktuelles Großprojekt steht derzeit die Inventur der Hauptwanderwege auf dem Plan...

 

Während die Digitalisierung Hinweise zur Ausdehnung unseres Wegenetzes liefert, soll die Inventur Hinweise zu dessen Beschaffenheit liefern. Mein Credo lautet: Qualität statt Quantität. Und mit der Wegeinventur bekommen wir systematische Informationen zum Wandererleben auf unseren Wegen.

 

Wenn es um die Güte von Wegen geht, werden aktuell in erster Linie die touristischen Wege genannt, die sehr offensiv vermarktet werden. Wie schätzen sie die Wirkungen dieser Wege auf das Hauptwegenetz des SGV ein?

 

Wandern ist in den letzten Jahren verstärkt zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Und das halte ich zunächst einmal nicht für problematisch; denn für den Wanderer ist es eine gute Sache, wenn ihm ein Erlebnis angeboten wird. Ich glaube nicht, dass der SGV darunter leidet. Im Gegenteil: Von einer breiten Begeisterung für das Wandern wird der SGV mit seiner Wanderkompetenz sicher profitieren.

 

Sie haben mehrfach vom Tagesgeschäft des Wegemarkierens gesprochen. Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass der SGV dieses Tagesgeschäft auch in Zukunft adäquat stemmen kann?

 

Das Wegezeichnen ist eine unglaublich reizvolle Tätigkeit. Mich selbst begeistert es nach wie vor, in der Stille des Waldes alleine oder zu zweit eine Wanderstrecke zu markieren. Dennoch fehlen uns aktuell die ehrenamtlichen Helfer, die sich dieser Aufgabe annehmen. Ich kann nur jeden dazu ermuntern, unsere Wege mit Pinsel und Farbe abzugehen, und halte es dabei mit Albrecht Dürer: „Willst Du wissen, was Schönheit ist, so gehe hinaus in die Natur, dort findest du sie.“ Wer Fragen zum Thema hat oder Interesse am Wegemarkieren, den rufe ich dazu auf: Zögern Sie nicht und melden Sie sich bei mir!

 

Interview: Daniel Nölleke

 

 

info

Lothar Wolf

Jahrgang 1941

Verheiratet, eine Tochter,

drei Enkelkinder

SGV-Mitglied seit 1982

(Abteilung Letmathe)


Kontakt: (02374) 8 44 42,

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