
Sauerländischer
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Heinzelmännchen mit Farbeimer
Joachim Meinhard markiert SGV-Wege seit 44 Jahren
entnommen aus:
Kreuz & Quer 03/09
Text: Daniel Nölleke
Der europäische Fernwanderweg E1 führt über 4.900 Kilometer und durch fünf Staaten von Grövelsjön in Schweden bis Castellucio in Italien. Diese Strecke erwandert zu haben, ist eine Leistung, auf die ein Wanderer zu Recht stolz wäre. Joachim Meinhard hat diese Strecke nicht nur erwandert; er ist sie mit Pinsel und Farbeimer akribisch abgegangen und hat sie mit Wegezeichen markiert. Und nachdem er mit diesen 4.900 Kilometern durch war, hat er nochmal gut 1.000 drangehängt – also etwa neunmal den Siegerlandweg (HW 5). Klar – Meinhard hat seine Zeichen nicht in Dänemark, Bayern oder der Schweiz gesetzt, doch erst der Vergleich mit der Wegstrecke des E1 scheint das Pensum verdeutlichen zu können, das Joachim Meinhard in den vergangenen 44 Jahren geleistet hat.
Niemand kennt das Wegenetz des SGV so exakt wie der bescheidene Siegener, der seiner Passion stets hellwach nachgeht und all seine Beobachtungen zum Zustand der Wege penibel notiert. Nachdem Joachim Meinhard nun nach 16 Jahren das Amt des Hauptfachreferenten für Wege an Lothar Wolf übergeben hatte, fühlte sich der von der Informationsfülle, die sein Vorgänger zusammengetragen hatte, quasi erschlagen. „Sagenhaft“ sei es, was Meinhard da in unzähligen Aktenordnern gesammelt habe. Für Joachim Meinhard ist diese größtmögliche Sorgfalt und Exaktheit eine Typfrage; es gehört zu seinem Charakter, völlig in seinen Aufgaben aufzugehen.
Seine berufliche Tätigkeit als Elektromeister habe sicher auf seinen Umgang mit dem SGV-Wegenetz abgefärbt, meint der 80jährige: „Schließlich sei es auch dort wichtig gewesen, Tätigkeiten akkurat zu dokumentieren und Vorschriften penibel einzuhalten.“ Es würde der Leidenschaft von Joachim Meinhard aber nicht gerecht, seinen Charakter auf Gründlichkeit und Vorschriftengehorsam zu reduzieren. Denn in erster Linie ist er ein passionierter Freund und höchst aktiver Unterstützer des Wanderns. Was er macht, das macht er richtig. Auch hier kristallisiert sich eine Parallele zum Berufsleben heraus: „Entweder man setzt sich für sein Geschäft mit allem ein, was man hat – oder es geht kaputt!“ Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit sind zentrale Merkmale, die den kleinen Siegener auszeichnen. Was zunächst ausschließlich selbstlos und aufopferungsbereit klingt, hat für den Wegezeichner einen Gegenwert.
Unschätzbare Erlebnisse garantiere das Wegezeichnen. Und des Dankes aller Wanderer sei er sich gewiss. Dieser Dank wird immer wieder explizit ausgedrückt, wenn er bei seinen Touren auf Wanderer treffe. Diese, so Meinhard, seien zunächst aber meist verwundert, auf eine Gestalt mit Pinsel und Farbeimer zu stoßen: „Denjenigen zu treffen, der die Wegezeichen in realiter pinselt, überrascht viele. Die meisten vermuten wohl, dass die Markierung der Wege über Nacht und im Stillen von Heinzelmännchen erledigt wird.“ So surreal wie ein Heinzelmännchen müssen Joachim Meinhard auch die Jugendlichen empfunden haben, die ihn eines Morgens nahe einer Landstraße trafen. Nach einiger Verwirrung, was dieser Mann in den frühen Morgenstunden mit dem Farbpinsel tue, rief ein Mädchen die einzig plausible Lösung aus: „Der Mann malt die weißen Streifen auf die Fahrbahn!“ Nicht für Mitarbeiter der Straßenwacht oder Heinzelmännchen, sondern für Vagabunden wurden Meinhard und sein Kompagnon einst von einem Förster gehalten: Nachdem sie bei einer Markierungsarbeit auf ein Hindernis gestoßen waren und dies am frühen Sonntagmorgen mit dem Förster besprechen wollten, öffnete der ihnen die Tür im Schlafanzug und war fest davon überzeugt, dass die beiden sonderbar früh Aktiven um ein Butterbrot bitten wollten. Und auch für die beiden Männer bei Balve war es ein fast surreales Erlebnis, als der Mann mit dem Siegener Akzent jedes kleinste Detail über die Ortschaften wusste, über die sie als ‚Einheimische‘ doch besser hätten Bescheid wissen müssen. Es sind solche Begegnungen, die Joachim Meinhard strahlen lassen und die ihm – neben seiner Leidenschaft für die Wanderkultur im Allgemeinen – ein Antrieb sind. „Wege überwinden Grenzen – und es ist toll, dies immer wieder durch persönliche Begegnungen erfahren zu können.“
Über 16 Jahre hat Joachim Meinhard als Hauptfachreferent für Wege nun auch die immer wichtiger werdende Funktion des Wegemanagers übernommen. Das Wissen, das er in dieser Funktion gesammelt hat, gibt er aktuell in intensiven Gesprächen an seinen Nachfolger, Lothar Wolf, weiter. Das Ausscheiden aus dem Amt des Hauptfachreferenten für Wege bedeutet jedoch bei weitem nicht, dass sich Joachim Meinhard zur Ruhe setzen wolle. Solange es die Gesundheit zulässt, streift der 80jährige weiter durch das SGV-Wegenetz: als ganz reales Heinzelmännchen mit Farbeimer und Pinsel.
Offizielle Visite des SGV-Messestandes durch den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsgen (vorn, 2.v.li.). Ferner im Bild (v.li.):Geschäftsführerin Ute Dicks (Deutscher Wanderverband), Knut van Gemmeren (SGV-Hauptfachreferent Wandern), Jörg Haase als Vizepräsident des Deutschen Wanderverbandes und Joachim Meinhard.
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