
Sauerländischer
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Sie können's nicht lassen
Mehr als 600 Wandertipps für die WP und exakt 100 Ferienwanderungen

entnommen aus
Kreuz & Quer 02/10:
Auch wenn Marianne und Wilfried Schmidt ein wenig kürzer treten, bewegen sie weiterhin sich selbst und andere
Moment. Hat sie das tatsächlich so formuliert? „Der Wandertipp für die Westfalenpost zwingt uns, uns regelmäßig zu bewegen." Dies aus dem Mund von Marianne Schmidt, die zusammen mit ihrem Mann Wilfried unter den passionierten Wanderern im SGV seit Jahrzehnten zu den passioniertesten zählt? Tatsächlich; sie hat es so formuliert. Der Hintergrund: Wilfried Schmidt veröffentlicht seit Jahren wöchentlich Wandertipps in der Wochenendbeilage der Regionalzeitung und wird dies auch in Zukunft tun. Wöchentlich gilt es daher, eine neue Strecke auszusuchen, abzugehen und zu prüfen. Dank dieser Verpflichtung sei man gezwungen, sich zu bewegen, meint Marianne Schmidt. Aber mal ehrlich: Glaubt irgendjemand in der SGV-Gemeinschaft oder im Deutschen Wanderverband ernsthaft, dass Marianne und Wilfried Schmidt ansonsten Kuhlen in das heimische Sofa säßen? Sie bewegen aber nicht nur sich selbst; beide bewegen nach wie vor auch andere.
Als „Kreuz & Quer" Wilfried Schmidt 2006 für ein Porträt zu einem Gespräch traf, kündigte er an, in Zukunft kürzer treten zu wollen, was seine Tätigkeit im Deutschen Wanderverband betrifft. Das ist eingetroffen: Er ist nicht mehr Verbandswanderwart. Er und seine Frau leiten auch nicht länger mehrtägige Ferienwanderungen und organisieren nicht mehr selbstständig Wanderführerlehrgänge. Und dennoch: Das volle Engagement der beiden gilt weiterhin dem Wandern im Verein. Die SGV-Abteilung Arnsberg wird es als Segen empfinden, dass sich das Ehepaar Schmidt dazu entschieden hat, seinen Einfallsreichtum auf der lokalen Ebene einzusetzen. 2010 wird das Wanderprogramm durch vier Tageswanderungen unter dem Motto „Städte, Wandern, Kultur" bereichert. Mit ihrem unerschöpflichen Schatz an kulturellem und historischem Wissen vermittelt in unnachahmlicher Rhetorik, leiten die Schmidts Touren in und um Münster, Soest, Unna und Lippstadt.
Dieses Wissen geben sie nach wie vor auch im Rahmen von Wanderführerlehrgängen weiter. Dankbar sind beide dafür, dass die Organisation und damit der logistische Aufwand in Händen der Wanderakademie liegt. Als Referenten vermitteln sie jedoch weiterhin spannende Informationen und anschauliches „How-to-do" an zukünftige Wanderführer. Ein Auszug aus den Spezialgebieten der Schmidts? Baustile, Philosophie des Wanderns, Wanderformen, Rhetorik des Wanderführers, der Deutsche Wanderverband. Die Liste ließe sich wohl endlos fortsetzen, aber es passt zum typisch Schmidt'schen Understatement, genau dies nicht zu tun.
Hierzu passt auch das Nachdenken darüber, ab wann es den Wanderführer-Anwärtern missfallen würde, sich von weit älteren Referenten etwas über die Modernität des Wanderns erklären zu lassen. „Bevor wir die jungen Wanderer nicht mehr erreichen, sollten wir uns als Referenten zurückziehen". Wer weiß, wie durchdacht, anschaulich und auf Höhe der Zeit die Referate der Schmidts sind, könnte das fast als Koketterie begreifen. Wer Marianne und Wilfried Schmidt aber auch nur ein paar Minuten erlebt hat, der weiß auch, dass ihnen nichts ferner ist, als mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen zu kokettieren. Unprätentiös nennt man diesen angenehmen Charakterzug wohl.
Auch wenn das Engagement für das Wandern im Verein seit dem Gespräch 2006 wohl kaum geringer geworden ist, ist es den Schmidts gelungen, ein damals angekündigtes Vorhaben umzusetzen: Sie nehmen sich die Zeit, gemeinsam Orte zu erkunden, die sie bislang nicht gesehen haben. Die größte Tour führte sie 2009 ins herrliche Norwegen. Das Land wurde übrigens ausnahmsweise nicht erwandert, sondern komfortabel mit den Schiffen der Hurtigruten erkundet. Dies als Hinweis auf zunehmende Bequemlichkeit zu deuten, wäre jedoch eine absolute Fehlinterpretation.
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